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Subjektive und Objektive Sicherheit

Anna Lena Fehlhaber

Die Differenzierung in subjektive und objektive Sicherheit ist eine Konzeption, die in der Kriminologie gebraucht wird, und die erlebte Sicherheit der faktischen Sicherheit gegenüberzustellen versucht.

Zwischen subjektiver und objektiver Sicherheit wird eine Divergenz konstatiert, so dass die im Sicherheitsdiskurs relevanten Daten und Fakten und das individuelle Sicherheitsgefühl nicht übereinstimmen. Prof Dr. Thomas Feltes, Leiter des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft, der hier nach Frevel zitiert wird, merkt an, dass Menschen dazu neigen, sich in ihrem zu Hause am sichersten zu fühlen. Objektiv betrachtet ist die eigene Wohnung in Bezug auf Sicherheit ein denkbar schlechter Ort; Die Wahrscheinlichkeit, in dieser einem Gewaltverbrechen zum Opfer zu fallen oder einen Unfall zu erleiden, ist gravierend höher, als etwa in einem Wald oder im Einkaufszentrum etwas zu erleiden.

Ein weiteres Beispiel findet sich in Statistiken zum Abschluss von Versicherungen – Diese zahlen sich für die Finanzdienstleister, Krankenkassen und andere Dienstleister deshalb aus, weil sie häufiger abgeschlossen als in Anspruch genommen werden. Diese Diskrepanz, die sich in vielen weiteren Bereichen, in denen Menschen agieren, finden, ist dadurch zu begründen, dass Menschen dazu neigen, nicht objektiv mit Wahrscheinlichkeiten umgehen zu können. Hinzu kommen wahrnehmungspsychologische Prozesse und verschiedene soziologische Entscheidungstheorien, mit denen das Phänomen erklärt werden kann.

Für Akteure ist

„nicht die konkrete Bewertung von Risiken und Gefahren in Hinblick auf die Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern in Hinblick auf die Eintrittsmöglichkeit” (Frevel 2017, S. 175)

entscheidend, was die Bedeutung der Unterscheidung in subjektive und objektive Sicherheit unterstreicht. Cybercrime kann Frevel folgend als das Unbekannte und Fremde, als das für viele Akteure willkürlich Erscheinende determiniert werden. Daraus entsteht eine abstrakte Angst und Handlungsunsicherheit, die zu kompensieren versucht wird. Aus dem Unvermögen, die Gefahr zu bestimmen und die eigene Befähigung, sich dieser zu erwehren einzuschätzen, besteht ein unbestimmtes Gefühl der Furcht, dass der faktischen Sicherheit widerspricht.

Bei konkreten Ereignissen und Vorfällen in diesem Kontext wird die von ihnen ausgehende Gefahr misinterpretiert, und Ansprüche an Staat und Politik formuliert, um die eigene diffuse Angst zu verarbeiten.

 

Verwendete Literatur:

  • Daase, Offermann und Rauer (2012): Sicherheitskultur als interdisziplinäres Forschungsprogramm.
  • Frevel (2017): Dilemmata des Sicherheitsdiskurses.
  • Lange, Wendekamm und Endreß (2014): Dimensionen der Sicherheitskultur.

 

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