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Historische Beispiele: Atbash Chiffren

Anna Lena Fehlhaber

Wer sich mit der Geschichte der Kryptologie vor der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinandersetzt, wird auf der Suche nach Vertretern der Kryptologie in vergangenen Jahrhunderten eher früher als später auf eine Chiffre mit dem Namen ‚Atbash‘ stoßen, welche klar im Feld der symmetrischen Verschlüsselungsverfahren zu verorten ist.

Hierbei handelt es sich um eine frühe Methode der Textverschiebung, die etwa 600-500 v. Chr. von hebräischen Gelehrten, in palästinensischem Gebiet, genutzt wurde, um Textverkehr vor ungewollten Blicken zu schützen. Jedoch finden sich auch in der Bibel Anwendungsbeispiele, etwa in Jeremia 25, 26.
Zur Anwendung wurde die erste Hälfte des 22 Buchstbaen umfassenden hebräischen Alphabets von links nach rechts in einer Zeile festgehalten und die zweite Hälfte von rechts nach links darunter notiert, sodass sich eine spaltenweise Zuordnung ergibt. Der Name ‚Atbash‘ geht auf die ersten beiden Zuordnungen zurück; א (aleph), ת (taw), ב (beth) und ש (shin).

Die vollständige Zuweisung entspricht der nachstehenden Aufstellung.

א
(alep)
ב
(beth)
ג  (gimel) ד (daleth) ה
(he)
ו
(waw)
ז
(sajin)
ח
(chet)
ט
(tet)
י
(jod)
ך        (kaph)
ת
(taw)
ש (shin) ר  (resch) ק   (koph) צ (tzade) פ
(pe)
ע   (ajin) ס (samech) נ  (nun) מ (mem) ל      (lamed)

Eine alternative Anwendung des gleichen Systems finden sich in dem ‚Albam‘-Chiffre, welcher sich dadurch unterscheidet, dass auch die zweite Buchstabenreihe von links nach rechts niedergeschrieben wird, entsprechend ergibt sich der Kurzname aus den Lettern א-ל und ב-מ.

Später wurde das Verfahren auf das modern-gebräuchliche lateinische Alphabet von 26 Buchstaben der westlichen Welt übertragen, woraus sich das nachstehende Transformationsmuster ergibt.

a b c d e f g h j k l m n o p q r s t u v w x y z
z y x w v u t s r q p o n m l k j h g f e d c b a

Beachtenswert ist, dass es unabhängig vom zugrundeliegenden Schriftsystem entweder einen Buchstaben gibt welcher, bei geradzahligen Alphabeten, keiner Verschiebung unterliegt, da er die Mittelposition einnimmt (siehe obig, ’n‘) oder bei ungeraden Alphabetsystemen ein Buchstabe ausgelassen oder mit einem anderen zusammengelegt werden muss, um eine klare Zuordnung zu erhalten (siehe historische Nichtunterscheidung von ‚u‘ und ‚v‘. Ferner erscheint anmerkenswert, dass die gerade Mittelposition einer Cäsar-Chiffre von 13 Zeichen entspricht.

Ein Anwendungsbeispiel für die Atbash-Variante sieht wie folgt aus:

Chiffrat: svppmdmjpw
Klartext: helloworld

Verwendete Literatur:

  • Cohen (1990): A Short History of Cryptography.
  • Kuhlemann (1997): Atbash Chiffre.
  • Scharinger (2001): Geschichte der Kryptographie.

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