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Das Paradoxon Sicherheit

Anna Lena Fehlhaber

Wie im vorangegangenen Abschnitt bereits aufgezeigt, ist das Erleben von Sicherheit divergierend zur faktischen Sicherheit. Zu diesem Umstand kommt ein Paradoxon hinzu, nach dem Sicherheit ein unstillbares Grundbedürfnis ist, dessen Versuch der Befriedigung in einer Steigerung des Sicherheitsanspruchs resultieren kann.

Insbesondere, wenn konkrete Ereignisse eintreten, die das klandestine Gefühl einer diffusen Gefahr zu bestätigen scheinen ist der Anspruch, den viele gesellschaftliche Einzelakteure, aber auch Institutionen, formulieren, darauf gerichtet, dass der Staat und die Politik sich diesen Problems anzunehmen haben. Von Staat und Politik werden Maßnahmen erwartet, die möglichst schnell umzusetzen sind und weitere Vorfälle zu vermeiden vermögen. Dadurch findet eine Umverlagerung der eigenen Furcht und Unsicherheit statt, die Verantwortung wird dem Staat zugeschrieben.

Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die mit dem Versuch, dieses Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen, einhergehen, beschränken sich zumeist nur auf Teilbereiche des Problems. Ansätze, die Sicherheit als Prozess zu realisieren versuchen, finden sich in der zumeist kurzfristig ausgelegten Politik und den Ansprüchen, die an diese formuliert werden, nur selten. Damit einhergehend bilden sich noch höhere Ansprüche an die Sicherheit heraus, nachdem diese bereit gestellt ist. Diese übersteigerten Sicherheitsansprüche werden auch auf Kosten von Freiheit in Kauf genommen, und schränken diese weiter ein.

Ein Ausweg aus diesem Paradoxon wäre eine alternative Ausrichtung von Maßnahmen auf den Gesamtprozess der Sicherheit. Insbesondere das Erlernen des Umgangs mit Risiken und Bedrohungen kann die affektive Angst verringern, da die eigene Resilienz gegen Bedrohungen höher eingeschätzt wird. Daraus ergibt sich eine Verringerung an Ansprüchen an andere vermeintlich Verantwortliche und der Wunsch nach radikalen Maßnahmen hin zu einem reflektierten Problembewusstsein und der Kompetenz, Bedrohungen besser einzuschätzen.

 

Verwendete Literatur:

  • Daase, Offermann und Rauer (2012): Sicherheitskultur als interdisziplinäres Forschungsprogramm.
  • Frevel (2017): Dilemmata des Sicherheitsdiskurses.
  • Lange, Wendekamm und Endreß (2014): Dimensionen der Sicherheitskultur.

 

Comments (1)

  • Anna Lena Fehlhaber

    Kryptologie und Nutzerverhalten – Sicherheit als Prozess

    25/10/2017 at 04:15

    […] erst die Berichterstattung eine Aufmerksamkeit für bestimmte Möglichkeiten, auf die mit dem Wunsch nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen und Verboten reagiert wird. Ansätze, die auf Prophylaxe, Prävention und Resilienz abzielen, werden dabei […]

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