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Das Gefühl von Sicherheit

Anna Lena Fehlhaber

Sicherheit ist als politisches Leitthema gegenwärtig sehr präsent. In der Sekundärliteratur wird das Gefühl von Sicherheit als neues gesellschaftliches Leitbild bezeichnet.

Während früher um die Erlangung von (Grund-)Rechten und Emanzipation gekämpft wurde, ist in wirtschaftlich hoch entwickelten Staaten das Bedürfnis, das bisher Erreichte zu wahren, zu konstatieren. Die sicherheitspolitischen Diskurse in diesem Kontext generieren hierbei eine gewisse Eigendynamik. Maßnahmen, die diskutiert und entschieden werden, erzeugen nicht nur eine Umgestaltung der faktischen Sicherheit, sondern bewirken gleichzeitig eine Veränderung der sozialen Sicherheitserwartungen. Diese werden als nicht erfüllbar bezeichnet, da jede weitere Maßnahme mit der Zunahme des Sicherheitsbedürfnisses korreliert. Damit einhergehend werden gesamtgesellschaftliche Freiheiten zugunsten dieser immer weiter beschränkt, die zu sozialen Auseinandersetzungen führen können.

Der Argumentation folgend ist ein Wandel der Sicherheitskultur feststellbar. Sicherheitskultur beschreibt dabei

„diejenigen Werte, Diskurse und Praktiken [..], die dem auf Erzeugung von Sicherheit und Reduzierung von Unsicherheit gerichteten sozialen Handeln individueller und kollektiver Akteure Sinn und Bedeutung geben“ (Daase et al. 2012, S. 36)

Entsprechend ist die Zunahme der Bedeutung der Sicherheit ein gesellschaftlicher Wertewandel, der mit veränderten Erwartungen und Handlungen einhergeht. Sicherheit selbst wandelt sich permanent, und ist in verschiedenen Bedeutungsdimensionen erfassbar. Es wird zwischen Raum-, Referenz- und Sachdimension unterschiedenen, nach denen Sicherheitheit bestimmt wird und sich auswirkt. Durch Prozesse der Globalisierung und der Tatsache, dass es keine allgemein einheitliche Definition von Sicherheit, auch nicht in der Wissenschaftsliteratur, gibt, ist es zwingend notwendig zu präzisieren, über welche Sicherheit diskutiert wird. Im Fall von Cybersicherheit müsste zunächst bestimmt werden in welcher temporalen und lokalen Dimension diese behandelt werden soll, auf was sie sich bezieht, und ob sie Einzelakteure, Organisationen oder Gesamtgesellschaften als Handlungsträger bestimmt hat. In vielen wissenschaftlichen Artikeln zu der Thematik wird diese Präzisierung weitestgehend vernachlässigt, sodass die Analyse des Phänomens zusätzlich erschwert wird. Nach der Konkretisierung eines solchen Sicherheitsbegriffs ist eine Unterscheidung zwischen subjektiv-erlebter und objektiv-faktischer Sicherheit notwendig, um sich dem Sicherheit und dem Gefühl von Sicherheit adäquat annähern zu können. Des Weiteren ist, um Umsetzungen und Handlungsvorschläge aus diesen abzuleiten unabdingbar, Sicherheit als Gesamtprozess zu begreifen.

 

 

Verwendete Literatur:

  • Daase, Offermann und Rauer (2012): Sicherheitskultur als interdisziplinäres Forschungsprogramm.
  • Frevel (2017): Dilemmata des Sicherheitsdiskurses.
  • Lange, Wendekamm und Endreß (2014): Dimensionen der Sicherheitskultur.

Comments (1)

  • Anna Lena Fehlhaber

    Subjektive und Objektive Sicherheit – Kryptologie

    25/10/2017 at 00:49

    […] als das für viele Akteure willkürlich Erscheinende determiniert werden. Daraus entsteht eine abstrakte Angst und Handlungsunsicherheit, die zu kompensieren versucht wird. Aus dem Unvermögen, die Gefahr zu bestimmen und die eigene […]

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