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Auswirkungen des medialen Diskurses auf Sicherheitswahrnehmung

Anna Lena Fehlhaber

Vertrauen und Sicherheitswahrnehmung in Bezug auf den Umgang mit dem Internet gehen häufig Hand in Hand. Der mediale Diskurs scheint, den empirisch erhobenen Daten verschiedener Studien folgend, einen signifikanten Einfluss auf die Sicherheitswahrnehmung auszuüben.

Immerhin 59% im Herbst 2015, und 63% im Herbst 2016 der Probanden des TNS Infratest/European Commision gaben an, sozialen Netzwerken im Internet nicht zu vertrauen. Dagegen stehen die Zahlen, nach denen ein Großteil der Menschen in Deutschland mindestens in einem, häufig sogar in mehreren sozialen Netzwerken angemeldet sind und dieses regelmäßig nutzen [für genaue Charakteristika der einzelnen sozialen Netzwerke und deren Mitglieder vgl. bspw. die ARD/ZDF-Onlinestudie 2017]. Auch bei der Ausweitung der Frage auf das gesamte Internet sind es 51% [2015], respektive 52% [2016], die dem Internet kein Vertrauen entgegenbringen. Im zeitlichen Verlauf fällt auf, dass das Vertrauen eng korreliert mit kontextbezogenen Fällen und deren Berichterstattung. In der von bitkom 2017 herausgegebenden Recherche sind diese Ereignisse, und der Vertrauensverlust respektive die Vertrauensregeneration anhand der medialen Aufmerksamkeit nachvollziehbar.

Die Angst der Probanden bezieht sich zumeist auf Schadsoftware, und weniger auf den Datenmissbrauch durch Kriminelle oder staatliche Institutionen. Das könnte dadurch bedingt sein, dass immerhin 41% der Befragten mit schädlicher Software in den vergangenen 12 Monaten Erfahrung gemacht hat, wohingegen das Ausspionieren von Daten und Datendiebstahl/Identitätsdiebstahl mit 22% und 9% Betroffenen einen vergleichsweise geringeren Anteil hat. Aus technischer Sicht kommt hinzu, dass Datendiebstahl nicht unmittelbar durch den Betroffenen erkenntlich ist, wenn aus diesem kein missbräuchlicher und offensiver Umgang erfolgt. Entsprechend entzieht sich dieser Bereich zumeist der individuellen Wahrnehmung, und wirkt sich weniger gravierend auf die Sicherheitswahrnehmung aus. Erst mit Bekanntwerden von beispielsweise der NSA Affäre oder der Diskussion um den Staatstrojaner werden temporale Veränderungen in Bezug auf das Vertrauen in das Internet sichtbar.

 

Verwendete Daten:

  • Bitkom Research Studien von 2017.
  • European Commision 2016.
  • TNS Infratest 2016.

 

 

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